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Andreas Schindler:

Auflösung der Sowjetunion - Ursachen und Folgen

Schülerreferat im Erdkunde-Leistungskurs Klassenstufe 13, Schuljahr 2001/2002, Bismarckschule Hannover, zur Vorbereitung einer Studienfahrt nach Ostpolen / Kraków im Herbst 2001

1. Einleitung

Der Untergang des größten Imperiums aller Zeiten ist ein Vorgang von weltgeschichtlichem Rang. Die Epoche der sowjetischen Geschichte, die 1917 begonnen hat, war 1991 zu ende gegangen. Die Machtergreifung der „Bolschewiki“ und das und das von ihnen errichtete totalitäre Regime haben die Sowjetunion und die von ihr beherrschten osteuropäischen Länder von wesentlichen Entwicklungen der europäischen Geschichte im 20. Jahrhundert ausgeschlossen. Diese Länder erleben deshalb das Ende der kommunistischen Diktatur als die „Rückkehr nach Europa“ oder „Rückkehr zur Normalität“.

2. Die „Anti-Revolution“ in Osteuropa

In Sowjetunion und in meisten Ostblockstaaten vollzog sich eine Anti-Revolution, die politischen, ökonomischen und sozialen Grundlagen des Kommunismus wurden abgelehnt und die Folgen der bolschewistischen Revolution von 1917 sollten, soweit das möglich war, rückgängig gemacht werden. Im Gegensatz zu einer Revolution, für die grundsätzlich alles alte unakzeptabel erscheint und durch etwas neues und „besseres“ ersetzt werden muss, akzeptierte die Anti-Revolution bestimmte gesellschaftliche Wandlungsprozesse wie zum Beispiel die Industrialisierung oder Aufbau eines allgemeinen und berufsbezogenen Bildungswesens. Die Anti-Revolution in Osteuropa verlief relativ gewaltfrei. Bedenkt man das Ausmaß von Gewalt während der russischen Oktober-Revolution, des Bürgerkriegs oder mit dessen Hilfe nach 1944 das kommunistische Regime in Ostmitteleuropa aufgerichtet wurde, so ist es als große Leistung zu bewerten, dass die UdSSR relativ unblutig abdankte.

Doch was sind die Ursachen, die die KPdSU (Kommunistische Partei der Sowjetunion) in die Knie gezwungen und zu der Auflösung der Sowjetunion geführt haben. Ein seit mehr als 70 Jahren bestehendes politisches System verfällt nicht von heute auf morgen, eine Weltmacht tritt nicht von heute auf morgen von der politischen Bühne ab.

3. Ursachen

Um die Hintergründe des kommunistischen Misserfolgs in Osteuropa und des Zerfalls der Sowjetunion zu erschließen reicht es nicht aus sich die politische, ökonomische und soziale Entwicklungen der letzten paar Jahre anzuschauen man muss tiefer in die Mitte der sowjetischen Epoche hineinblicken. Nach Stalins Tod gelang die, durch die Diktatur Stalins kompromittierte und „unterdrückte“ KP (Kommunistische Partei) wieder an die Macht. Es wurden Reformen in der Politik, Wirtschaft und dem Rechtssystem eingeleitet, in der Einsicht, dass mit dem Terror und Zwang kein funktionierender Staat und keine funktionierende Wirtschaft aufgebaut werden können. In der Hoffnung die negative Stimmungslage im Lande aufzubessern versprach man dem Volk aufs neue baldige Verbesserung der Lebensqualität und den Wohlstand für alle, vor allem für die Arbeiter.

Die Kommunistische Partei hatte auch in früheren Jahrzehnten ihre Versprechen nicht gehalten aber die perfekte Ausrede über die innere und äußere Feinde die besiegt werden mussten und damit alle Kräfte beanspruchen funktionierte einwandfrei, doch als die „Höhenflüge“ aus der Zeit Chruschtschows, „man würde die westlichen Länder im

Lebensstandard ein- und überholen“, sich als eine Fehlprognose zu erweisen begannen und es weder dem inneren noch dem äußeren Feind als Schuld zuzuschieben war, musste die KPdSU um ihre Sicherheit bangen und als Folge ihre macht sichern. Dazu wurden einzigartige „Instrumente“ entwickelt. Die Kommunistische Partei drang in alle Organisationen des Staates, der Armee, der Wirtschaft und der Bildung ein und bildete dort mit ihren Parteikomitees den „führenden Kern“. (Damit wurden über 90% der Bevölkerung vom Aufstieg in Führungspositionen ausgeschlossen und viele ambitionierte, talentierte und kompetente Leute ignoriert. Nicht zuletzt deswegen befand sich das Land ende der achtziger Jahre in einer wirtschaftlichen Krise.) Während die KPdSU mit der Machtsicherung beschäftigt war wurde ihr Autoritätsverlust immer offensichtlicher. Natürlich war die wirtschaftliche Situation des Staates und finanzielle Lage der Bürger nicht das einzige Problem, das das Ansehen der Partei senkte. Die Aufstände in den Nachbarländern wie Tschechoslowakei, Ungarn und Polen leiteten ein Teil der Bevölkerung zum Nachdenken ein und spätestens als Tausende von Särgen anstatt junger Soldaten aus Afghanistan heimkehrten machte sich im Lande die Unmut breit. Der Krieg in Afghanistan, der zuerst als „Erfüllung der internationalen Pflicht“ und später als sinnloses Blutvergießen empfunden wurde lies die meisten an der Regierung und der „Weltrevolution“ zweifeln. In immer größeren Gruppen der Gesellschaft und in immer mehr Regionen der UdSSR wurde die Einparteiherrschaft nicht mehr akzeptiert. Man identifizierte sie nicht nur mit der blutigen Vergangenheit und der gegenwärtigen wirtschaftlichen Krise sondern man traute dieser Herrschaft nicht mehr zu „dem Volk den Weg in die lichte Zukunft zu weisen“.

So stellte sich am Ende der achtziger Jahre zum ersten Mal seit 1917 die Frage über die Macht.

4. Folgen

Die Auflösung der Sowjetunion, die Looslösung vom kommunistischen Regime und der Übergang zu den demokratischen Regierungsformen in den Nachfolgestaaten brachten viele, leider auch negative Folgen mit sich. Eine davon war die Verschärfung der ökonomischen Krise, die schon in der Regierungszeit Gorbatschows eindeutig zu erkennen war. Die Wirtschaftspolitik der Sowjetspitzen wurde seit dem Anfang der Industrialisierung auf die wirtschaftliche Verflechtung der Republiken untereinander gerichtet. Da die Sowjetunion ein Vielvölkerstaat war, befürchtete man das einzelne Ragionen eine Autonomie (im nicht Sowjetischen Sinne) anstreben würden. Um dies vorzubeugen, wurden die Republiken in eine Abhängigkeit von einander oder von der RSFSR gebracht. So wurden asiatische Regionen zum größten Teil nur landwirtschaftlich entwickelt und als Rohstofflieferante benutzt, in den westlichen Republiken dagegen wurden die schweren Industrien wie z.B. Maschinenbau vorangetrieben. Somit war der kommunistische Westen auf die Rohstoffen aus dem Osten, der wiederum auf die Fertigwaren aus dem Westen nicht verzichten konnte, angewiesen.

Dieses wurde den Republiken zum Verhängnis als die Sowjetunion auseinander fiel, sie erhielten ihre Selbstständigkeit waren auf sie jedoch nicht vorbereitet. Am schlimmsten hat es den asiatischen Raum, dessen Regionen mit der Ausnahme mancher Hauptstädte Landwirtschaftlich ausgerichtet waren, getroffen. Der industrialisierte Westen hat jedoch auch große Probleme, durch die Monopolstellung der Betriebe in den UdSSR Zeiten wurden Produkte und Produktionsmittel wenn überhaupt dann nur langsam modernisiert was dazu führt, dass die nach dem Zerfall der Union privatisierte Fabriken und ihre Produkte auf dem Weltmarkt konkurrenzunfähig sind und aus dem lokalen Markt durch effizientere Firmen und Waren aus dem europäischen, asiatischen und nordamerikanischen Räumen verdrängt werden.

Die Tatsache, dass die meisten Energieträgervorkommen der SU sich auf dem Territorium des heutigen Russland befinden, deutet ein nächstes Problem, das durch die Auflösung der UdSSR entstanden ist, an. Da Kohlenwasserstoffe wie Erdöl, Erdgas und Kohle für viele Industrien und zur Gewinnung des Treibstoffs notwendig sind und damit zu einem wichtigen Faktor für wirtschaftliche Entwicklung eines Landes werden, müssen sie notwendigerweise von Russland bezogen werden. Dies macht die Nachfolgestaaten der Sowjetunion von der Russischen Föderation abhängig und erpressbar.

Aber die wirtschaftlichen Probleme der Länder sind nicht die einzigen Folgen der Auflösung der UdSSR. Der Untergang dieser Weltmacht war ein erfreuliches Ereignis für die gesamte westliche Welt. Der seit 1945 andauernde Kalte Krieg zwischen den Supermächten UdSSR und USA hielt die ganze Welt in Angst es könne der 3. Weltkrieg ausbrechen, der für die Erde fatale Folgen hätte (durch den Einsatz atomarer Waffen). Gorbatschows Anstrengungen die Spannung zwischen den beiden Weltmächten durch Abrüstung zu senken hatten ihren Erfolg, jedoch erst mit der Auflösung des „kommunistischen Staates im Osten“ und mit dem Übergang seiner Nachfolgestaaten zu den demokratischen Regierungsformen konnte die Welt aufatmen.

Der Untergang der UdSSR brachte nicht nur die Entspannung zwischen Ost und West, er brachte den Ländern der Blöcke die Möglichkeit sich einander zu nähern und ihre politische und wirtschaftliche Zukunft gemeinsam, als Partner zu gestalten.

Quellenverzeichnis:

Ulrich Druwe: Das Ende der Sowjetunion. 1991, Beltz Verlag.

Boris Meissner/ Alfred Eisfeld: Die GUS – Staaten in Europa und Asien. 1995, Baden-Baden

Inhalt:

1. Einleitung.

2. Die „Anti-Revolution“ in Osteuropa.

3. Ursachen.

4. Folgen

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Redaktionelle Anmerkung:

In der Vorbereitung der Studienfahrt nach Kraków/Polen wurden mehrere Referate zur Geographie und Geschichte des ost- und ostmitteleuropäischen Raumes gehalten, deren Texte hier veröffentlicht werden. Für die inhaltliche Gestaltung sind die jeweiligen Referentinnen und Referenten verantwortlich.

Die Vorbereitung und Auswertung der Studienfahrt erfolgte im Rahmen des »Arbeitsschwerpunktes Polen« zum Thema »Länderübergreifende elektronische Partnerschaften / Begegnung mit Polen« im Projekt InfoSCHUL II-2 im Schulverbund Hannover / gefördert durch das BMB+F

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Erstellt im Rahmen des Unterrichts an der Bismarckschule Hannover. An der Bismarckschule 5. D 30173 Hannover. Leistungskurs Erdkunde Schuljahr 2001/2002 / Lehrer: OStR Gerhard Voigt.

Referat zum Rahmenthema „Transformationsländer“. Studienfahrt nach Kraków, Herbst 2001.

Autor: Andreas Schindler.  

Veröffentlicht im Internet im April 2002 unter

http://www.unesco-club-hannover.de .

Vergleiche auch:

http://www.Bismarckschule.de .

Verantwortlich: Gerhard Voigt, OStR i.R.

Bismarckschule.Voigt@gmx.de.

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Alle Urheberrechte vorbehalten. Freie Verwendung für Zwecke der Bildung und Ausbildung in Schulen und Hochschule ist zugestanden.

IV/02/Voigt / v. 19.06.02 / 12.03.05

Internetpublikation revidiert am 20.07.2009

   
   

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Bearbeitungsstand: 25. 07 2005.

Letzte Bearbeitung: 06.01.2011

   
   

 

     
   

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